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Oberdreeser Brandprozession oder Gassekirmes

Die Prozession, die Jahr für Jahr am Wochenende des Maria-Himmelfahrtsfest (15.8.) oder am Wochenende danach, durch den festlich geschmückten Burggraben zieht, wird von den Oberdreesern Brandprozession oder Gassekirmes genannt.

zitiert nach der Festschrift zum Abschluss der Renovierungsarbeiten "Pfarrkirche St. Ägidius Oberdrees", 1995

Brandprozession im Burggraben 1996
1996er Prozession mit Pater H. Nentwig

Da sich in keiner Chronik ein Hinweis auf den genauen Ursprung dieser Prozession fand, bat 1965/66 der damalige Pfarrer Matthias Th. Distelrath die Kinder im Katechismusunterricht, ihre älteren Verwandten und Bekannten zu befragen. Das Ergebnis dieser Befragung fasste Pfarrer M.Th. Distelrath in einem Artikel zusammen; er wurde später in der Kirchenzeitung (32-33/66) veröffentlicht.

Aus seinem Inhalt:

Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts - andere wiederum sagen vor 300 Jahren - geschah es, daß am Feste Maria Himmelfahrt mitten in der Nacht die Bewohner von Oberdrees durch das Läuten der Kirchenglocken geweckt wurden. Das Haus Beissel (heute Schmitz) im Burggraben 36, im Volksmund Gasse genannt, war von einem Brandstifter angezündet worden. Schnell stand die halbe Gasse in Flammen. Da Oberdrees damals noch keine Wasserleitung hatte und außerdem ein selten trockenes Jahr war, konnte der Brand nicht so schnell unter Kontrolle gebracht werden. Unter den an der Brandstelle Anwesenden war auch der damalige Pfarrer der Gemeinde. Er sah die eng ineinander geschachtelten Häuser und die Ratlosigkeit der ihm anbefohlenen Gläubigen, und er war sich wohl bewußt, daß das ganze Dorf ein Raub der Flammen werden könnte. Die nicht tätigen Zuschauer rief er zusammen und ging mit ihnen in das Gotteshaus.

Brandprozession 1996
1996er Prozession

Er ging in die Sakristei, legte sich die Stola um, schloß den Tabernakel auf, nahm die Monstranz heraus und zog in feierlicher Prozession zum Burggraben. Die Monstranz hob er gegen die Feuerstelle zum Segen und sprach laut dabei: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!" Alle Umstehenden beteten laut mit. Beim Einzug der nächtlichen Sakramentsprozession in die Kirche ließ plötzlich das Prasseln der Flammen nach, und wie von gewaltiger, unsichtbarer Hand mit einem Schlage eingedämmt, war der Brand gelöscht.

Der Brandstifter mit Namen Johann Busen wurde bald darauf gefaßt. Auf dem damaligen Gerichtsgelände wurde er an einen Pfahl gebunden, zur Schau gestellt und kurze Zeit darauf öffentlich verbrannt. Der heutige Flurname Am Gericht erinnert an diese Stätte. Diese ehemalige Gerichtsgemarkung liegt unmittelbar an der Bundesstraße in Richtung Kloster Essig. An der Gemarkungsgrenze zwischen Oberdrees und Niederdrees heißt es heute noch Am Busenpfahl. Dieser Busenpfahl war eine Steinsäule. An jenem Stein wurde jeder Verurteilte bis zur Vollstreckung des Urteils festgebunden. Im Zuge der Straßenerneuerung vor über 30 Jahren soll der Stein überbaut bzw. entfernt worden sein.

Am Ende seines Artikels schrieb Pfarrer M. Th. Distelrath: "So soll die Gassenkirmes oder auch die Brandprozession die Gemeinde St. Ägidius in Oberdrees Jahr für Jahr daran erinnern, daß der Glaube ihrer Vorfahren Berge versetzen konnte. Gerade in den jetzigen Tagen darf die lebendige Erinnerung an diese Sakramentsprozession hindeuten auf den tiefen Dank, den die Gemeinde Gott dem Allmächtigen für die damalige Errettung schuldig ist."

Quelle: Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln 32-33/66