Gebetssammlung

© Damian Hungs

1. Schenke mir eine gute Verdauung,

Herr, und auch etwas zum Verdauen.

Schenke mir die Gesundheit meines Leibes,

mit dem nötigen Sinn dafür,

ihn möglichst gut zu erhalten.

 

Schenke mir eine heilige Seele,

Herr, die das im Auge behält,

was gut ist und rein,

damit sie im Augenblick der Sünde

nicht erschrecke,

sondern das Mittel findet,

die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

 

Schenke mir eine Seele,

der die Langeweile fremd ist,

die kein Murren kennt und kein

Seufzen und Klagen,

und lass nicht zu,

dass ich mir allzuviel Sorgen mache

um dieses sich breitmachende Etwas,

das sich "Ich" nennt.

 

Herr, schenke mir Sinn für Humor,

gib mir die Gnade,

einen Scherz zu verstehen,

damit ich ein wenig Glück kenne

im Leben und anderen davon mitteile.

Amen.

(Thomas Morus)


2. Noch bevor wir dich suchen, bist du bei uns.

Bevor wir deinen Namen kennen,

bist du schon unser Gott.

Öffne unser Herz für das Geheimnis,

in das wir aufgenommen sind:

dass du uns zuerst geliebt hast

und dass wir glücklich sein dürfen mit dir.

Nicht weil wir gut sind, dürfen wir uns dir nähern,

sondern weil du Gott bist.

 

3. Herr, du weißt es besser als ich selbst,

dass ich älter werde und eines Tages alt bin.

Bewahre mich vor der unheilvollen Angewohnheit

zu meinen, ich müsse zu allem etwas sagen

und das bei jeder Gelegenheit.

 

Befreie mich von dem Verlangen, jedermanns

Angelegenheiten in Ordnung bringen zu wollen.

Mache mich bedachtsam und nicht schwermütig,

hilfsbereit, jedoch nicht herrschsüchtig.

 

Angesichts meines unermesslichen Vorrates an

Lebenserfahrung erscheint es mir bedauerlich,

nicht alles zu nützen, aber du weißt, Herr,

dass ich ein paar Freunde haben möchte am Ende.

 

Bewahre mich davor, endlose Einzelheiten

aufzuzählen; verleihe mir Flügel, zur Hauptsache

zu kommen. Versiegle meine Lippen, was meine

Schmerzen und Leiden anbelangt.

Sie nehmen zu, und die Lust daran, sie aufzuzählen,

wird wohltuender mit den Jahren.

Um soviel Gnade zu bitten, dass ich an den

Erzählungen über die Schmerzen anderer Gefallen

finden könnte, wage ich nicht; hilf mir jedoch,

sie in Geduld zu ertragen.

 

Ich wage es nicht, ein besseres Gedächtnis zu

erbitten, wohl aber zunehmende Bescheidenheit

und abnehmende Selbstsicherheit, wenn meine

Erinnerung mit den Erinnerungen anderer in

Widerspruch zu stehen scheint.

Führe mich zu der großartigen Erkenntnis,

dass ich mich gelegentlich auch irren könnte.

 

Trage Sorge dafür, dass ich einigermaßen

liebenswürdig bin; ich möchte keine Heilige sein

- mit manchen von ihnen ist es so schwer zu leben -,

aber eine sauertöpfische alte Person ist eines

der hervorragenden Werke des Teufels.

 

Schenke mir die Fähigkeit, Gutes zu entdecken

an Orten, an denen ich es nicht erwarte

und Begabungen in Menschen, denen ich sie nicht zutraue.

Und gib mir o Herr, die Gnade,

es ihnen auch zu sagen. Amen.


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