St. Ägidius Oberdrees

Renovierung und Restaurierung 1922 - 1992

Die unendliche Geschichte

Renovierung und Restaurierung unseres Gotteshauses von 1922 bis 1992

zitiert nach der Festschrift zum Abschluss der Renovierungsarbeiten "Pfarrkirche St. Ägidius Oberdrees", 1995

Außenansicht Mitte der 60er Jahre
Außenansicht Mitte der 60er Jahre

"Wenn der Kölner Dom fertig ist, geht die Welt unter". Was für die Kölner Mutterkirche gilt, ist im kleineren Maßstab auch für unsere Dorfkirche gültig. Unter der ab Mitte 1925 beginnenden Ägide von Pfarrer Waldemar Freisleben musste das eine oder andere ergänzt, geändert oder verbessert werden. Doch angesichts der wirtschaftlich außerordentlich schwierigen Zeiten konnte sich dies naturgemäß nur auf das Allernotwendigste beschränken. Während des zweiten Weltkrieges und auch in den ersten Jahren danach reichten die zur Verfügung stehenden Mittel nicht einmal aus, um die Substanz zu erhalten.

 

Aber bereits in der Niederschrift über die Sitzung des Kirchenvorstandes vom 10. Juni 1959 vermerkt Pfarrer Josef Kintzinger, der im Juni 1958 die Verwaltung der Pfarrei übernommen hatte, im Protokollbuch: "Es wurde lebhaft über eine Restaurierung der Kirche gesprochen. Sämtliche wertvollen Holzfiguren müssen entwurmt und neu gefaßt werden." Laut Protokollnotiz vom 28. Januar 1960 gab Pfarrer Kintzinger bekannt, dass der Kirchenmaler Walter Dorn aus Buir die Kirche besichtigt und ausgemessen habe. Der demnächst von ihm zu erwartende Kostenanschlag der Restaurierung würde sich voraussichtlich zwischen 12.000 DM und 15.000 DM bewegen. An dieser Summe sollten die Erzbischöfliche Behörde und der Landeskonservator beteiligt werden. Die von der Gemeinde aufzubringende Summe soll durch eine besondere Sammlung aufgebracht werden. Die Dringlichkeit der Restaurierung wurde einstimmig anerkannt.

 

Bereits am 24. März 1960 beschloss der Kirchenvorstand, die Innenrestaurierung nach den Plänen und Kostenvoranschlägen des Kirchenmalers Walter Dorn in Höhe von 13.128,43 DM durchführen zu lassen. Der Kirchenvorstand erklärte sich im übrigen bereit, für die Eigenfinanzierung in Höhe von 4.000 bis 6.000 DM, abzüglich der Zuwendung des Landeskonservators, Sorge zu tragen.

 

Doch man hatte die optimistische Rechnung wohl ein wenig ohne den Wirt, sprich das Erzbischöfliche Generalvikariat in Köln, gemacht. Schon im Juli berichtet Pfarrer Kintzinger laut Protokollnotiz über den Besuch eines Herren von der Bauabteilung dieser Kirchenbehörde. Der nach und nach erkennbare Umfang der notwendigen Sanierungsarbeiten führt schließlich dazu, daß man aufgrund einer dringenden Empfehlung aus Köln ein Architekturbüro aus Bonn zu Rate zieht.

 

Die Spekulationen in der Gemeinde über die Kosten und den Umfang der notwendigsten Sanierung müssen wohl sehr ins Kraut geschossen sein, denn im August 1961 sieht sich der Pfarrer genötigt, einen Artikel in der Kölnischen Rundschau größtenteils als Phantasie und Unsinn darzustellen. Allerdings belaufen sich nach der Schätzung des Architekten die Kosten nur für die äußeren Arbeiten an der Kirche auf mehr als 100.000 DM. Die Genehmigung aus Köln lässt wohl immer noch auf sich warten, denn der Pfarrer wird vom Kirchenvorstand beauftragt, auf die Dringlichkeit der Restaurierung hinzuweisen und "um baldigen Beginn des ersten Bauabschnittes hinzuweisen". Im Dezember 1961 wird dann im Protokollbuch vermerkt: "Die Erzbischöfliche Behörde hat für den l. Bauabschnitt (Außenarbeiten) die Summe von DM 120.000 bewilligt". Im Juni 1962 kann dann endlich ein erster Auftrag, nämlich über die Dachdecker- und Bauklempnerarbeiten, erteilt werden. Im Juli folgen schließlich die Aufträge für die Zimmer-, Putz- und Tiefbaugewerke.

 

In der gleichen Sitzung des Kirchenvorstandes wird eine Information des damaligen Bürgermeisters Peter Eschweiler zum Anlaß genommen, eine eventuelle Erweiterung der Kirche ins Auge zu fassen. Der Bürgermeister hatte darüber informiert, dass im Rahmen der Großraumplanung für Bonn auch Oberdrees mit einbezogen würde. Eine Ausdehnung der Gemeinde um 200 Wohneinheiten sei geplant.

 

Ein knappes Jahr später berichteten die Niederschriftenbücher über das einhellige Bedauern des Kirchenvorstandes darüber, daß ihm jede Einflußnahme bei den Arbeiten an der Kirche genommen sei. Noch nicht ein einziges Mal habe sich die Möglichkeit ergeben, mit dem leitenden Architekten zu sprechen.

 

Im Juli 1963 berichten die Niederschriften schließlich über den Ausbau der Elektroanlage und der Heizung. Außerdem ist offenbar ausgiebig über das an der Kirche stehende Gerüst und den Kirchturmhahn diskutiert worden, denn Pfarrer Kintzinger hält ausdrücklich fest, daß diese Themen den Abschluß der KV-Sitzung bildeten.

 

Die Unzufriedenheit mit dem Architekten scheint gegen Ende des Jahres 1963 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht zu haben. Pfarrer Kintzinger verliest ein längeres Schreiben, welches er mit Durchschrift für das Generalvikariat an den Architekten gerichtet hatte. Darin kommen die tiefen Sorgen und Nöte des Pfarrers, des Kirchenvorstandes und der gesamten Pfarrgemeinde zum Ausdruck, daß die Restaurierungsarbeiten offenbar nicht vorangehen. Der Brief soll von der Kanzel verlesen werden. Im August 1964 ist offenbar ein weiterer Brief fällig, der die Verschleppung notwendiger Arbeiten und Entscheidungen bemängelt. Offenbar wurde damals auch intensiv darüber diskutiert, ob die Kirche erweitert werden sollte. Im November 1964 steht dann aber fest, dass aus Kölner Sicht eine Erweiterung nicht in Frage kommt.

 

Im Februar 1964 hält das Protokollbuch die Anschaffung eines elektrischen Läutewerkes fest. Rund 3/4 der Kosten werden durch eine Stiftung der Zivilgemeinde Oberdrees aufgebracht.

 

Im Oktober 1965, nachdem Pfarrer Matthias Distelrath die Verantwortung für die Oberdreeser Kirche übernommen hat, werden die weiteren Bauabschnitte zur Kirchenrenovierung besprochen. Die Einrichtung einer Notkirche wird diskutiert. In den weiteren Protokollen sind verschiedene Lösungsmöglichkeiten für eine Notkirche durchgesprochen worden, die dann letztendlich Anfang 1968 auf dem Anwesen Esch/Windmüller entsteht.

 

Das Klima der Zusammenarbeit mit dem beauftragten Architekten verschlechtert sich in der Folgezeit dramatisch, wie einige Notizen und Randbemerkungen von Pfarrer Distelrath bezeugen.

Der Hochaltar nach dem Umbau 1970
Der Hochaltar nach dem Umbau 1970

Im Mai 1969 wird dann folgendes festgehalten: "Der KV ist einstimmig für Entfernung der Holzbekleidung an den Altarstufen. Evtl. um 1 Stufe niedriger; verbleibende Stufen verbreitern. Auf jeden Fall muß Altar an bisheriger Stelle verbleiben; die Kommunionbank muß auf jeden Fall, nicht zuletzt aus Pietätsgründen wieder errichtet werden. Hinweis in dieser Beziehung: Auch Kanzel bleibt! Tabernakel kommt an alte Stelle: Mitte Hochaltar! ... Die Kirche soll einheitlich - nach Entfernung der Holzpodeste - durchgeplattet werden ".

 

Im März 1970 wird dann über die Anschaffung neuer Kirchenbänke beraten und offenbar auch beschlossen. Da das dafür aufgelegte Spendenkonto nicht genügend Deckung aufweist, beschließt der Kirchenvorstand später, ein entsprechendes Darlehen aufzunehmen und die alten Bänke zu veräußern. Eine wichtige Aussage ist im Protokoll vom 29. Februar 1972 festgehalten: "Die Bauabrechnungen Notkirche und Instandsetzung Kirche wurden in Einnahmen und Ausgaben geprüft. Die Einnahmen und Ausgaben betrugen je DM 429.424,41".

 

Bereits im März 1975 werden wieder Überlegungen über die Beseitigung von Mängeln am Kirchengebäude angestellt. Der Kirchenvorstand spricht sich für einen äußeren Neuanstrich der gesamten Kirche aus.

 

In der zweiten Hälfte des Jahres 1976 übernimmt Pfarrer Wolfgang Donath die Pfarrgemeinde. In den folgenden Sitzungen des Kirchenvorstandes wird über die Neugestaltung des Chorraumes und die Anschaffung einer Lautsprecheranlage gesprochen. Im Juni 1979 beschließt man, die Holzfiguren in der Kirche imprägnieren zu lassen. Außerdem wird eine Diebstahlsicherung in Erwägung gezogen. Im April 1980 muß man dann zur Kenntnis nehmen, daß die Genehmigung für die Instandsetzungsarbeiten an der Kirche in erster Linie keinen Verschönerungseffekt, sondern lediglich eine Substanzerhaltung erreichen will. Man unterstreicht die Oberdreeser Auffassung, daß eine vertretbare Lösung bei der Renovierung der Kirchenfassade nur in einer Verkleidung des feuchten Sockels mit Naturstein, der von Innen durchlüftet wird, gesehen wird. Als Alternative käme lediglich eine Verputzung des Sockels mit Trasszement in Frage.

1991 vor der Renovierung mit Blick auf die Orgelempore
1991 vor der Renovierung mit Blick auf die Orgelempore

Im September 1981 wird eine neue Heizungsanlage in Auftrag gegeben. Bezüglich der dringend notwendigen Renovierungsarbeiten an der Kirche erklärt man sich mit den Vorschlägen des Generalvikariats einverstanden, obwohl der Kirchenvorstand die ursprünglich angestrebte Lösung (?) auf Dauer für die optimalste hält. Es findet im folgenden keine Sitzung des Kirchenvorstandes statt, bei der nicht der eine oder andere Aspekt der Sanierung zur Debatte steht, ohne daß jedoch konkrete Fortschritte zu verzeichnen sind. Im Oktober 1983 wird endlich ein Baubeginn registriert, der Architekt gibt einen Sachstandsbericht über das bisher Getane. Die bisherige Farbe des Außenanstriches der Kirche (ein Rotton) scheint nicht die ungeteilte Zustimmung der Oberdreeser gefunden zu haben, denn zum Ende des Jahres entschließt man sich, den Anstrich in Weiß vornehmen zu lassen. Man vermerkt ausdrücklich: "... unter Berücksichtigung des Willens der Pfarrgemeinde". Schließlich soll das an der Seitenwand der Pfarrkirche befindliche Wegekreuz ein Schutzdach erhalten; das Kreuz war kurze Zeit zuvor mit Mitteln der Stadt Rheinbach instandgesetzt worden.

1991 vor der Renovierung mit Blick auf den Altar
1991 vor der Renovierung mit Blick auf den Altar

Im Oktober 1984 übernimmt Pfarrer Johannes Daßler für ein gutes Jahr die Seelsorge an St. Ägidius in Oberdrees. Die im Protokollbuch festgehaltene Gebäudebegehung hält fest: "Da die Kirche erst vor kurzem von außen gestrichen wurde, gibt es keine eigentlichen Schäden. Die restlichen Arbeiten stehen freilich noch aus. .... " Ein ganzes Jahr später scheinen diese immer noch nicht erledigt zu sein. Dem Protokollbuch ist die Durchschrift eines geharnischten Schreibens an das Architekturbüro beigeheftet, welches unter Fristsetzung verbindliche Auskunft verlangt. Derweil wird schon wieder über einen neuen Innenanstrich der Kirche nachgedacht. Man ist der Meinung, dass dieser weitgehend in Eigenleistung durchgeführt werden könne.

 

Schon in der ersten Sitzung des Kirchenvorstandes, an der "Pfarrverweser" Pater Herbert Nentwig teilnimmt (16. April 1986) wird über die dringend notwendige Innenrenovierung der Kirche ohne Beschlussfassung beraten. Im Oktober 1986 wird schließlich beschlossen, die Vorplanungsgenehmigung zu beantragen. Mit der Bauleitung soll Architekt Georg Spevacek aus Rheinbach beauftragt werden.