St. Ägidius Oberdrees

Renovierung und Restaurierung 1992 -1993

Restaurierung und Chorraumgestaltung der Kath. Pfarrkirche St. Ägidius in Oberdrees

von Architekt Georg Spevacek

zitiert nach der Festschrift zum Abschluss der Renovierungsarbeiten "Pfarrkirche St. Ägidius Oberdrees", 1995

Im Mai 1989 wurde ich beauftragt, die Kirche zu restaurieren und den Chorraum neu zu gestalten. Die vordringliche Aufgabe war zunächst die Erstellung des Aufmaßes, das bedeutet, das örtliche Messen sämtlicher Kanten, Vorsprünge, Längen, Breiten und Höhen der Wände, Gewölbedecken, Fenster, Türen und sonstiger Bauglieder.

 

Danach konnte geplant und somit auch die Kosten ermittelt und geschätzt werden, deren Höhe zunächst alle Beteiligten erschreckte, aber auch das Ausmaß der dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen zeigte.

 

Die Planung war bald akzeptiert, doch die Finanzierung bereitete verständlicherweise Kopfzerbrechen. Die Kirchengemeinde von Oberdrees war der Auffassung: "Wenn wir etwas machen, dann ordentlich und dauerhaft und wie können wir das finanzieren." So ist es nur verständlich, dass der Architekt erst drei Jahre nach seiner Beauftragung mit den Ausschreibungen aller Bauleistungen beginnen konnte; bald darauf wurden die Aufträge an die einzelnen Firmen vergeben, und im September 1992 rückten die ersten Handwerker an.

Sanierung der Friedhofsmauer
Sanierung der Friedhofsmauer

Die Sanierung der alten Friedhofsmauer aus dem 14. Jahrhundert war von Anfang an in die Restaurierungsmaßnahme mit einbezogen und hier wurde - parallel zu den Trockenlegungsarbeiten - zuerst begonnen.

 

Der Umgestaltung des Chorraumes mit neuem Altar, Ambo, Tabernakel und Vergrößerung der Chorraumfläche mit nunmehr nur noch zwei Stufen sowie den Ausmalungen der Decken und Wände mussten jedoch umfangreiche und dringend notwendige substanzerhaltende Sanierungsarbeiten vorausgehen.

 

Das gesamte Umfassungsmauerwerk wurde außen und innen freigelegt, gereinigt, beigemauert, verputzt und mit zwei Isolieranstrichen versehen, eine Ringdrainage in Kiesbett verlegt, Regenwasser-Kanalrohre erneuert.

Baustelle Januar 1993 mit Blick zum Chorraum
Baustelle Januar 1993 mit Blick zum Chorraum

Der gesamte Kirchenfußboden wurde ausgebaut und Teile des durch Feuchtigkeit zerstörten Wandputzes ausgetauscht.

 

Nachdem die Warmluftkanäle der Kirchenheizung und die Leitungen für Lautsprecher und Elektroinstallation verlegt waren, wurde beigeputzt und die wasserundurchlässige Betonplatte auf eine kapillarbrechende Rollkiesschicht gegossen. Schon bald zeigte sich der Erfolg der aufwendigen Trockenlegungsarbeiten.

 

Nun konnte im Mai 1993 der gesamte Innenraum der Kirche eingerüstet werden, und die Anstreicher, Maler und Restauratoren begannen mit ihren vielschichtigen Arbeiten.

 

Sämtliche Wand- und Deckenflächen wurden zunächst abgebeizt, damit der rein mineralische Anstrich aufgebracht werden konnte. Der kalkweiße Grundanstrich wurde durch die Betonung der Wandvorlagen, Gesimse, Pfeiler und Deckengurte mit lasierender Farbgebung und Quaderung im Tuffton stilgerecht ergänzt.

Renovierte Kirche 1993 mit Blick zum Chorraum
Renovierte Kirche 1993 mit Blick zum Chorraum

Sämtliche Wand- und Deckenflächen wurden zunächst abgebeizt, damit der rein mineralische Anstrich aufgebracht werden konnte. Der kalkweiße Grundanstrich wurde durch die Betonung der Wandvorlagen, Gesimse, Pfeiler und Deckengurte mit lasierender Farbgebung und Quaderung im Tuffton stilgerecht ergänzt.

 

So entstand eine Einheit zwischen dem Chor aus dem 12. Jahrhundert, dem Langschiff von 1688 und den Seitenschiffen aus den Jahren 1921 bis 1922 sowie der letzten Maßnahme. Den Gurtbogen vor dem Chor über dem Altar ziert eine farbige Ausmalung nach romanischem Vorbild, und die gerundete Rückwand des Chores schmückt ein gemalter Teppich mit rd. 300 stilisierten Lilien.

 

Die Entwürfe des Architekten für die Einrichtungsgegenstände Altar, Ambo und Tabernakel wurden nach dem Beschluss des Kirchenvorstandes zur Beurteilung der Kunstkommission des Generalvikariates in Köln vorgelegt und von dieser ohne Änderungsvorgaben genehmigt, so dass die Werkzeichnungen dem Steinbildhauer und dem Kunstschmied zur Ausführung gegeben werden konnten.

Kirche 1993 mit Blick zur Orgelempore
Kirche 1993 mit Blick zur Orgelempore

Nach dem Ausrüsten konnte dann endlich die Arbeit der Maler bewundert werden. Als nächstes folgte die Verlegung des Fußbodenbelages aus diagonal angelegten Basaltlavaplatten und Syenitstreifen. Kurz vor Lieferung der Einrichtungsgegenstände wurden die Chorraum-Stufen und der Fußboden eingebaut. Hier galt es unter Verwendung gleichen Steinmaterials Hervorhebung des Chorraumes mit sparsamen Mitteln zu gestalten. Das gelang durch diagonal verlegte Schachbrettmuster aus kleinformatigen Steinplatten aus Basaltlava im Wechsel mit poliertem Syenit.

 

 

Die Kirchengemeinde legte großen Wert auf die Erhaltung von vorhandenen Gegenständen. So fand die alte Kommunionbank ihren sichtbaren Platz in der Brüstung der erweiterten Orgelempore, die beiden Seitenaltäre wurden komplett restauriert und an alter Stelle wieder aufgebaut, der vorhandene Taufstein erhielt eine schonende Überarbeitung und ziert nun das rechte Seitenschiff; Kanzel und Beichtstuhl, vom Rheinbacher Schreinermeister Müllenbruck 1921 gefertigt, wurden ebenfalls restauriert, farblich aufgefrischt und wieder aufgestellt; die barocken Heiligenfiguren erhielten vor der Wiedereinbringung eine kosmetische und eine insektizide Behandlung (gegen starken Wurmbefall).

Altarweihe 1994 durch Weihbischof  Norbert Trelle
Altarweihe 1994 durch Weihbischof Norbert Trelle

Insgesamt wurden durch den Kirchenvorstand 17 verschiedene Handwerksbetriebe und drei Kunsthandwerker beauftragt. Die meisten Firmen haben ihren Betrieb in nächster Umgebung.

 

Und dann war es endlich so weit:

 

Am 2. Dezember 1993 wurde der Altar aus Selterser-Trachyt aufgebaut, sowie die Stelen für den Ambo und den Tabernakel im Boden verankert, die abschließend mit Bronze-Schmiedearbeiten vervollständigt wurden.