Kreuzweg in der Pfarrkirche St. Martin Rheinbach

1. Station Vorgeführt

1. Station Vorgeführt
1. Station Vorgeführt

Gebunden und gefesselt wird Jesus vor Pilatus geführt. Der richtende Pilatus auf seinem Thron, eine eher lächerlich feiste Gestalt, schwankt zwischen nachdenklichen Fragen und Ablehnung, wie seine Hände zum Ausdruck bringen. Pilatus und Jesus stehen auf unterschiedlichen Ebenen - der eine vermeintlich hoch, der andere sichtbar tiefer.

 

So verschieden wie die Ebenen sind auch die Absichten, die sich hier begegnen. Pilatus will seine Macht nicht verlieren, er besetzt seinen Thron. Jesus will die Menschen nicht verlieren, er stellt sich daher auf ihre Ebene.

 

Und Jesus steht aufrecht da, zwar vor Pilatus, aber auch vor uns. Sein Blick geht in unsere Richtung und fragt unser Leben und Handeln, unser Denken und Tun an.

 

Die Urteile des Herrn sind wahr, gerecht sind sie alle. Behüte deinen Knecht auch vor vermessenen Menschen; sie sollen nicht über mich herrschen. Ps 19, 10b;14

 

Gebet

Herr Jesus Christus, deine Macht ist nicht von dieser Welt. Du hast uns Menschen gezeigt, wie wir miteinander umgehen und leben sollen: nicht einander beherrschend und verurteilend, sondern dienend und liebevoll. Schenke uns den Mut und die Kraft, die Menschen so zu lieben, wie du uns liebst. Amen.

2. Station "Eingespannt"

2. Station "Eingespannt"
2. Station "Eingespannt"

Eingespannt zwischen den Symbolen der Macht, der Säule und der Kette, steht Jesus, gebunden an die Geißelsäule, und hält das Kreuz in den Händen.

 

War er in der 1. Station noch ungekrönt, so trägt er hier die Krone des Spottes und der Verachtung.

 

Gefangen in diesem Keller der Macht zeigt sich Jesus solidarisch mit allen, die menschliches Machtgebahren und Machtgelüste zu spüren bekommen.

 

Daß diese Macht nichts Bleibendes, sondern eher vergänglich ist, deutet die Ausformung des Untergrundes zu einem Knochen an.

 

Die Könige der Erde stehen auf, die Großen haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten. Du wirst sie zerschlagen mit eiserner Keule, wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, Verachtung und Spott hast du geduldig ertragen. So bist du allen Menschen vorrausgegangen, die auch heute unter Unrecht und Ungerechtigkeit zu leiden haben. Laß uns nicht tatenlos zusehen, sondern für ihre Freiheit und Menschenwürde eintreten. Amen.

3. Station "Auf mit dir...!"

3. Station "Auf mit dir...!"
3. Station "Auf mit dir...!"

Jesus, das erste Mal gefallen unter dem Kreuz, erlebt die ganze Verachtung, Brutalität und Peinigung, zu der Menschen fähig sind. "Auf mit dir, du Schurke!", so hört man hier gleichsam rufen.

 

Der Peiniger in dieser Station ist kein römischer Soldat, sondern ein SA- oder SS - Mann. Die Zahl 1933 und der Judenstern, links oben auf dem Relief, erinnern an ebenso grausame Verbrechen vergangener Zeit. Der, der hier die Peitsche schwingt, Jesus am Strick festhält und seiner Wut und seinen Gelüsten freien Lauf läßt, merkt nicht, wie er schon fast auf dem Kreuz sitzt. Er wird getragen von dem, an dem er all seine Grausamkeit ausläßt.

 

Viele Menschen haben unschuldig Grausamkeiten und Folter hinter Gefängnismauern erlebt; das Fenster im oberen Bildteil erinnert daran.

 

Schreien die Gerechten, so hört sie der Herr, er entreißt sie all ihren Ängsten. Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen, er hilft denen auf, die zerknirscht sind. PS 34,18f.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, du hast Grausamkeiten, Wut und Folter am eigenen Leib erfahren. Auch heute leiden Menschen unzählige Qualen in Gefängnissen, hinter Stacheldraht und in Todeszellen. Gib, daß wir diese Menschen nicht vergessen und schenke ihnen deine Nähe. Amen.

4. Station "Zärtliche Begegnung"

4. Station "Zärtliche Begegnung"
4. Station "Zärtliche Begegnung"

Jesus, beladen mit dem Kreuz, begegnet seiner Mutter. Große Anteilnahme, Trauer über das Leid ihres Sohnes, spricht aus ihren Gesten. Jesus und Maria begegnen sich noch einmal in zärtlicher Berührung. Jesus tröstet seine Mutter, Maria ihren Sohn. Das Spiel ihrer Hände bringt es zum Ausdruck. In der Nähe und Berührung, in erfahrener Zuwendung stärken sich beide, der eine für seinen Leidensweg, die andere für ihren Schmerz und ihr Leid, nichts weiter daran tun oder verändern zu können.

 

An der Seite dieser Station ist eine Tür mit einer Schlange angedeutet. Es ist eine Tür des Krankenhauses "Maria Hilf" mit dem Zeichen der Ärzte und Apotheker. In Krankheit und Leid erfahren sich Menschen wie Jesus in dieser Station. Die Angehörigen von Kranken stehen oft hilflos und mitleidend daneben wie Maria.

 

Wenn ich sage: ' Mein Fuß gleitet aus', dann stützt mich, Herr, deine Huld. Mehren sich die Sorgen des Herzens, so erquickt dein Trost meine Seele. Ps 94,18f.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, auf dem Weg nach Golgotha hast du den Trost deiner Mutter erfahren: verständnisvoll und mitleidend ist sie dir begegnet. In Krankenhäusern und Altenheimen, in Psychiatrien und auf Sterbebetten gibt es Menschen, die auf Trost und Beistand warten. Laß uns immer wieder den Weg zu ihnen finden. Amen.

5. Station "An-sehen"

5. Station "An-sehen"
5. Station "An-sehen"

Ansehen schenken sich Simon von Cyrene und Jesus. Die Blicke beider begegnen sich. Simon von Cyrene, kräftig und stark, packt an. Keine großen Worte fallen hier, keine Debatten finden statt, keine Resolutionen werden verabschiedet. Statt dessen spricht der gepackte und betroffene Mensch im Zupacken ein eindeutige Sprache. Jesus und Simon tragen gemeinsam das Kreuz. Beide stehen vor einem Torbogen.

 

Viele Probleme belasten Menschen; wollen bestanden und durchgestanden werden. Viele Kreuze sind wie Mauern, die überwunden, sind wie Tore, die durchschritten werden müssen. Manchmal ist da jemand, ein "Simon von Cyrene", der fraglos anpackt. Einander nicht aus dem Blick verlieren, an - sehen, wer mir begegnet, An - sehen dem schenken, mit dem sich meine Wege kreuzen. Es ist dabei gleich, welches Kreuz er trägt und welches Urteil ihn getroffen hat. Helfendes Miteinander praktiziern, auch wenn meine Hilfe klein scheint. Viele Christen handeln so ohne zu fragen. Ganz besonders wurde das nach dem Krieg in Rheinbach gepflegt, als hier viele Vertriebene aufgenommen und verköstigt wurden.

 

Menschen, mit ihren Kreuzen beladen, klopften an die Türen derer, die bereit waren, mitzutragen und ihnen eine Stärkung auf ihrem Weg anzubieten. Darauf deuten der Krug, die Ähren und die Trauben hin. Sie sind gleichzeitig Zeichen der Stärkung, die Gott uns im Mahl seiner Liebe immer wieder schenkt.

 

Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. Mein Gott, auf dich vertraue ich. Laß mich nicht scheitern, laß meine Feinde nicht triumphieren! Denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden. Ps 25,1-3a

 

Gebet

Herr Jesus Christus, du hast die Hilfe eines Menschen erfahren, der dich auf deinem schwierigen Weg nicht alleine gelassen hat. Auch in unseren Tagen suchen Menschen Schutz und Hilfe, weil sie auf der Flucht sind. Mach uns bereit, ihnen zu schenken, was du uns allen verheißen hast: Hoffnung und Zuversicht. Amen.

6. Station "Tun, was möglich ist!"

6. Station "Tun, was möglich ist!"
6. Station "Tun, was möglich ist!"

Genau das will Veronika. Sie sieht, wie Jesus unter der Last des Kreuzes die letzten Reserven mobilisiert. Der Schweiß rinnt ihm in Strömen über sein Gesicht. Wenigstens diesen kleinen Liebesdienst will sie dem Herrn erweisen. Es ist der einzige, der ihr möglich ist. Das Schweißtuch, das Veronika hält, trägt keine Abbildung des Gesichtes Jesu. Sie trägt das Bild des Herrn in sich, in ihrem Herzen; dort ist es am besten aufgehoben und durch nichts wegzuwischen. Im Fuß der Station ist die Fratze eines römischen Brunnens eingearbeitet, aus dem Wasser fließt. Ohne Wasser kein Leben. Ohne die Quelle der Erlösung, die Jesus für uns zum Fließen gebracht hat, ist Leben nicht möglich. Sein Leben, sein Leiden und sein Tod haben diese Quelle der Erlösung aufgetan.

 

Durch Rheinbach lief die römische Wasserleitung, die lebensspendendes Wasser transportierte. Auch durch uns kann und darf Gottes Quelle fließen, damit wir wie Veronika tun, was möglich ist. So prägt sich der ein, den wir nicht aus dem Herzen verlieren sollen.

 

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Ps 42,2-3a

 

Gebet

Herr Jesus Christus, dankbar hast du Veronikas Zeichen ihrer Liebe und Hilfsbereitschaft angenommen. Du selbst willst für uns lebensspendendes Wasser sein. Laß auch in uns eine Quelle fließen, die für andere Leben und Heil verheißt. Amen.

7. Station "Aufgescheucht"

7. Station "Aufgescheucht"
7. Station "Aufgescheucht"

wird Jesus von zwei Soldaten bei seinem zweiten Fall. Brutal gehen sie mit ihm um. Der eine ist anonym, gesichts- und namenlos wie viele, die ihren Spaß auf Kosten anderer haben wollen. Er spürt nicht, wie er mit einem Fuß auf dem Kreuz steht, das er aufrichtet, damit Jesus weitergeht. Der andere zeigt hingegen sein Gesicht. Er scheucht Jesus hoch, wie man im Stierkampf einen Stier mit einem Haken hochscheucht. Es soll weitergehen, nur jetzt nicht schlapp machen. Schließlich will er seinen Spaß haben, will etwas sehen und erleben und natürlich auch etwas von dem Spektakel haben. Wie ein Schlachtgeselle mit Schürze würdigt dieser eigentümlich brutale Mensch Jesus keines Blickes. Der Soldat trägt einen Helm, Jesus die Dornenkrone, der "Treiber" eher die Mütze eines clownhaft scheinenden Menschen. Eine leicht geöffnete Tür im Hintergrund stellt die stille Frage nach den Schaulustigen, die alles sehen, sich aber nicht darum scheren.

 

Ich bin hingeschüttet wie Wasser, gelöst haben sich meine Glieder. Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen. Man kann all meine Knochen zählen; sie gaffen und weiden sich an mir. Ps 22,15;18

 

Gebet

Herr Jesus Christus, mit Brutalität und Verachtung haben dich die Soldaten zum Weitergehen gezwungen, ohne daß es die Menschen am Wege gekümmert hätte. Auch wir stumpfen immer mehr ab angesichts des vielfältigen Leides in dieser Welt. Halte unsere Herzen wach, und laß uns nicht gleichgültig und teilnahmslos bleiben. Amen.

8. Station "Trauer"

8. Station "Trauer"
8. Station "Trauer"

erfüllt die Frauen am Weg über Jesu Schicksal und ihre eigene Hilflosigkeit. Als Jesus ihnen begegnet, sagt er zu ihnen: "Weint nicht über mich, weint über euch und eure Kinder"; weint über die Ursache, nicht über die Folge. Mit anderen Worten: lernt die Dinge tiefer zu sehen. Ein Kind berührt Jesus. Hierin drückt sich die Betroffenheit der Menschen über das Leiden Jesu aus. Zwei Frauen, tränenüberströmt, mit Kindern, schauen trostlos in die Weite. Der einzige, der zu Jesus aufschaut, ist ein Kind. "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder", denn in ihnen zeigen sich unmittelbare Zugänge. Frauen beweinen das Schicksal, dessen Zuschauer sie hier sind. Frauen beweinen das Unrecht, das hier geschieht.

 

Der Hintergrund dieser Station zeigt einen Turm, den Hexenturm von Rheinbach, in dem Frauen gefangengehalten, verleumdet, zu Tode gequält, als Hexen abgestempelt und umgebracht wurden. Großes Unrecht ist hier geschehen, vor allem in den Jahren 1633 - 1636 (diese Zahlen sind an der Seite der Station vermerkt). Trauer über das Unrecht allein genügt aber nicht. Erspürtes Unrecht kann jedoch Kräfte freisetzen und helfen, Türme von Vorurteilen, Ungerechtigkeiten, Verleumdung und Qual abzubauen. Trauert und weint über euch und eure Kinder, heißt dann: Baut die Türme, die Hexentürme in euren Herzen ab.

 

Wer wird sich für mich gegen die Frevler erheben, wer steht für mich ein gegen den, der Unrecht tut? Wäre nicht der Herr meine Hilfe, bald würde ich im Land des Schweigens wohnen. Ps 94,16f.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, auf deinem Weg sind dir Frauen begegnet, die voller Mitgefühl und Trauer waren. Auch wir sind oft traurig über Dinge, die wir angeblich nicht ändern können. Laß uns nicht bei der Trauer stehenbleiben, sondern helfen, an einer besseren Welt mitzubauen, jeder da, wo er steht. Amen.

9. Station "Totaler Zusammenbruch"

9. Station "Totaler Zusammenbruch"
9. Station "Totaler Zusammenbruch"

Aussichtslos und katrastophal scheint der dritte Sturz Jesu zu sein. Dem Erdboden gleichgemacht, liegt er langgestreckt auf der Erde, das Gesicht tiefer als die Füße. Über ihm bricht alles zusammen. Das Kreuz mit seiner Last hat ihn niedergestreckt, und jetzt scheinen auch noch Mauern und Wände zu fallen und ihn zu begraben. Unter Jesus bricht der Boden auf, bricht auseinander.

 

Diese Station des totalen Zusammenbruchs, der Weltuntergangssituation, erinnert an viele Zusammenbrüche leidgeplagter und -geprüfter Menschen und an Rheinbachs "schwarzen Tag", den 29. Januar 1945, als große Teile der Stadt und auch die Pfarrkirche St. Martin durch Bomben in Schutt und Asche gelegt wurden. Viele Menschen wurden unter den Mauern begraben, für viele begann damals der Kreuzweg unsagbaren Leidens. Innerlich und äußerlich total zerstort und am Boden liegend, standen sie jedoch wieder auf, um weiterzugehen und weiterzumachen. (Das Datum dieses "schwarzen Tages" ist an der Seite der Station eingraviert.)

 

Herr, sie zertreten dein Volk, sie unterdrücken dein Erbteil. Sie bringen die Witwen und Waisen um und morden die Fremden. Ps 94,5f.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, du selbst hast erfahren, was es heißt, am Ende zu sein. Viele Menschen in unserer Zeit sehen für sich selbst und für ihr Leben kein Weiterkommen mehr. Laß sie an deinem Beispiel sich immer aufrichten und schenke ihnen Mut zur Zukunft. Amen.

10. Station "Entblößt"

10. Station "Entblößt"
10. Station "Entblößt"

und bloßgestellt steht Jesus da. Ein Soldat, eher eine vierschrötige Gestalt mit überdimensionalen Händen, die in Handschuhen stecken, reißt Jesus die Kleider vom Leib. Seht, welch ein Mensch! Seht, wie er dasteht, wehrlos, gaffenden Blicken und entblößenden Händen ausgesetzt. Seht aber auch, wozu der Mensch fähig ist, wenn er, wie dieser Soldat, sein Herz umpanzert hat. Nichts kann ihn betreffen und er braucht auch keine Betroffenheit zu zeigen.

 

Menschen treiben ihr Spiel miteinander, stellen sich bloß, reißen einander den Schutzraum weg. Der felsige Hintergrund und der unebene Boden machen deutlich, daß Jesus aus der Stadt und aus der Gemeinschaft der Menschen herausgetrieben ist.

 

Man kann all meine Knochen zählen; sie gaffen und weiden sich an mir. Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand. Ps 22,18f.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, du bist aus der Gemeinschaft der Menschen ausgeschlossen und bloßgestellt worden. In unserer Gesellschaft gibt es viele Randgruppen, Menschen, die nicht mehr dazugehören, weil sie von anderen gemieden oder verstoßen werden. Öffne unser Herz, daß wir uns immer wieder von der Not dieser Menschen betreffen lassen. Amen.

11. Station "Angenagelt, festgelegt, aufs Kreuz gelegt"

11. Station "Angenagelt, festgelegt, aufs Kreuz gelegt"
11. Station "Angenagelt, festgelegt, aufs Kreuz gelegt"

Golgotha, die Schädelstätte, der Berg, ist erreicht. Jesus wird aufs Kreuz gelegt und angenagelt. Drei Gestalten, namenlos, gesichtslos, vermummt, führen dieses durch. Den, der heilend, aufrichtend den Menschen begegnet ist, ihn nageln sie fest. Mit einem überdimensionalen Hammer schlagen sie zu, denn hier wird jemand festgelegt: auf seine Worte, seine Taten, auf sein Vertrauen, seinen Glauben an den, den er "seinen Vater" nannte. Jesus, der Heiland, festgenagelt auf dem Kreuz unserer Schuld und unseres Versagens. Er liefert sich aus in Menschenhände.

 

Unter dem Kreuz, das sich diagonal über die ganze Station erstreckt, kniet eine Gestalt. Sie ist so vermummt und maskiert, daß sie eher einem Mummenschanz gleicht, dem eines Menschen. Die Hand im Vordergrund wird zur Kralle.

 

Diese Station stellt uns Fragen, stellt uns in Frage: Nageln wir Menschen nicht auch fest auf das, was sie einmal gesagt oder getan haben? Können wir vergeben, oder krallen wir uns fest an den Fehlern anderer, die ständig vorgehalten oder nachgetragen werden?

 

Meine Seele ist trocken wie eine Scherbe, die Zunge klebt mir am Gaumen, du legst mich in den Staub des Todes. Viele Hunde umlagern mich, eine Rotte von Bösen umkreist mich. Sie durchbohren mir Hände und Füße. Ps 22,16f.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, du hast dich für uns ans Kreuz schlagen lassen. Immer wieder erleben auch bei uns Menschen, wie sie verurteilt, eingeordnet in Schubladen, ständig kritisiert und gedemütigt werden. Schenke uns ein weites Herz, das immer wieder zu Vergebung und Versöhnung bereit ist. Amen.

12. Station "Gekreuzigt"

12. Station "Gekreuzigt"
12. Station "Gekreuzigt"

In dem zerklüfteten, steinigen Boden von Golgotha steht das Kreuz. An ihm hängt Jesus. Unter dem Kreuz stehen die Menschen des Glaubens: Maria und Johannes. Auf der einen Seite der Soldat mit der Lanze, er, der bezeugt: "Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn." Jesu Wort: "Ich muß mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist" (LK 12,50) wird hier bittere Wirklichkeit. Vom Kreuz her fließt uns Menschen die Taufe der Erlösung zu: Maria aus der Seitenwunde, Johannes aus Jesu rechter Hand und dem römischen Soldaten aus Jesu linker Hand. Zwischen dem Soldaten und Jesus liegt ein Felsbrocken, ein Stolperstein. Zwischen beiden ist noch ein Riß in der Erde, der durch Jesu Hingabe überwunden wird.

 

Auf dem Helm des Soldaten taucht der Kopf einer Schlange auf. Sie hat im Paradies den ersten Adam in die Gottesferne, in Schuld und Versagen geführt. Durch Jesus, den neuen Adam, ist die gesamte Schöpfung erlöst, der Zugang zum Paradies ewiger Gottesgemeinschaft wieder offen.

 

So wird der römische Soldat mit seinem Schild und Speer, der an den Arm Jesu gelehnt ist, zum Wächter des Heiles. Er vermittelt: Bis hierher und nicht weiter geht all das, was Menschen bisher an Haß, Gottlosigkeit, Unfrieden, Leid und Vernichtung getan und erlebt haben. Hier, am Kreuz, beginnt die Umkehrung aller Grenzen, aller Schuld in die Fülle des Lebens.

 

Mich umfingen die Fesseln des Todes, mich befielen die Ängste der Unterwelt, mich trafen Bedrängnis und Kummer. Da rief ich den Namen des Herrn an: "Ach, Herr, rette mein Leben!" Ps 116,3f.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, durch dein Sterben am Kreuz hast du uns vom ewigen Tod befreit und mit dem Vater versöhnt. Wir bitten dich: Schenke allen Menschen das neue Leben, das du uns durch die Erlösung erwirkt hast, und laß uns wie Maria und Johannes unter dem Kreuz aushalten. Amen.

13. Station "Vorbei"

13. Station "Vorbei"
13. Station "Vorbei"

Jesus, vom Kreuz abgenommen, ruht im Schoß seiner Mutter. Im Hintergrund sieht man das Kreuz mit dem Tuch, dem Zeichen der Trauer, und ebenso die Leiter, die den Weg zum Himmel symbolisiert (vgl. Jakobs Traum von der Himmelsleiter). Maria blickt in ihrer Trauer in die Zukunft. In ihrem Rücken das Kreuz, auf ihrem Schoß ihr Sohn. Jesu Arm und Kopf sind so dargestellt, daß sie gleichsam neues Leben vermuten lassen.

 

Auf dem Sockel der Station sind eine zerbrochene Lanze und ein Totenschädel dargestellt. Die zerbrochene Lanze spiegelt die eigentliche Quelle der Kraft und neuer Macht wider. Neue Zeiten sind angebrochen, eine neue Zeitrechnung und Zeitenwende. Der Kreislauf von Macht und Gewalt ist durchbrochen. Die Zeichen des Todes sind zerbrochen. Der Totenschädel, Symbol aller Sehnsucht nach Leben im Tod und in Vernichtung, blickt zu Jesus auf und macht deutlich: Jesus ist hinabgestiegen in das Reich des Todes und hat alle Macht des Todes gebrochen. Gott hat das letzte Wort gesprochen und das heißt: LEBEN!

 

Kostbar ist in den Augen des Herrn das Sterben seiner Frommen. Ach, Herr, ich bin doch dein Knecht, dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd. Du hast meine Fesseln gelöst. Ps 116,15f.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, du hast Leid und Tod überwunden, und somit willst du auch uns neue Hoffnung schenken. Laß uns immer wieder erkennen, welche Verheißung uns durch deinen Tod gegeben wird: Heil und Leben in Fülle. Amen.

14. Station "Begraben"

14. Station "Begraben"
14. Station "Begraben"

Begraben wurde Jesus und mit ihm für viele die Hoffnung auf Leben. Denn in Jesus und seinem Weg, seinem erbärmlichen Ende konnten sie unmöglich den Weg der Erlösung erkennen. Die Station in der Pfarrkirche St. Martin zeigt daher Jesus im Grab wie auf einer steinernen Bank, wie auf einem Altar. Christus hat mit seinem Tod das Opfer der Liebe Gottes gestiftet. Wir feiern seinen Tod und seine Auferstehung am Altar seiner Liebe, im Mahl des Lebens. "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit."

 

Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. Sie gehen hin unter Tränen und tragen den Samen zur Aussaat. Sie kommen wieder mit Jubel und bringen ihre Garben ein.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, du bist den Weg bis ans Ende gegangen und hast das Schicksal des Menschen bis in den Tod geteilt. Du aber bist nicht im Grab geblieben. Wie ein Weizenkorn, das in die Erde gesenkt wird, damit neues Leben werden kann, bist du für uns zum Stifter des ewigen Lebens geworden. Dafür preisen wir dich heute und alle Tage. Amen.