St. Ägidius Oberdrees
St. Ägidius Oberdrees

Geschichte der Kirche St. Ägidius Oberdrees

1920 Innenraurm vor 1920
1920 Innenraurm vor 1920

Von der Burgkirche zur Pfarrkirche

Vom Anfang bis 1740

Zitiert nach der Festschrift zum Abschluss der Renovierungsarbeiten "Pfarrkirche St. Ägidius Oberdrees", 1995

 

Oberdrees, auf geschichtsträchtigem Boden angelegt, ist unter dem Namen 'dreyse' 856 erstmals erwähnt1). Als Kirchort wird es im liber valoris, einer Abgabeliste der Pfarreien vom Jahre 1274, aufgeführt und wird um 1278 zum ersten Male urkundlich erwähnt2).

Von der heutigen Bausubstanz der Kirche ist der Ostteil des Chores der Rest eines romanischen Baues aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts3). Es ist ein mittelgroßer Raum, den ein Tonnengewölbe überspannt und den eine von einer Halbkugel überspannte Apsis abschließt. Auf das hohe Alter dieses Teiles weist auch die Außengliederung der Apsis hin. Sie zeigt durch Rundbogen verbundene Lisenen, d.h. flache vorgelegte senkrechte Mauerstreifen, die fast bis zum Dachansatz emporreichen. Vermutlich war schon vor diesem steinernen Bau eine kleine, einfache Kapelle vorhanden. Sie dürfte nach damaliger fränkischer Bauweise in Fachwerk ausgeführt worden sein.

1688 - die Jahreszahl steht auf dem Keilstein des rundbogigen Portals - wurde die Kirche unter Pfarrer Johann Stein (1640-1690) "von Grund auf neu aufgebaut, mit neuen Altären und anderem Zubehör ausgestaltet und konsekriert"4).

Es war ein einschiffiger verputzter Bruchsteinbau mit Chor und vorgelegtem Westturm. Der wenig gegliederte Turm zeigt auf der Höhe der Glockenstube rundbogige Schallarkaden. Der achtseitige Turmhelm ist geschiefert. Ebenfalls geschiefert ist das Satteldach des Langhauses.

Während die äußere Architektur von Chor und Turm heute im wesentlichen noch erhalten ist, ist das Innere des Langhauses inzwischen stark verändert worden. Von ihm liegt folgende Beschreibung des früheren Zustandes vor: "Im Innern umfaßt das Schiff fünf sehr gestreckte rechteckige Joche. Die Fenster liegen in tiefen, bis an den Boden reichende Nischen. Sehr komplizierte, hölzerne Netzgewölbe, deren hölzerne Rippen auf viereckige Konsolen auflaufen, überspannen das Langhaus. In der Längsachse geht eine Mittelrippe bis an den gedrückten Triumphbogen durch"5). Ganz ähnlich war das Gewölbe des abschließenden Chores gestaltet.

Dem Stil der Zeit entsprechend, erhielt die Kirche eine barocke Ausstattung. Der Hochaltar war "ein großer guter Barockaufbau, mit zwei Türen, braun in Gold"6). Er nahm die ganze Chorbreite ein. Als Schmuck hatte er Putten und Rankenwerk.

Hinter dem Hochaltar war die Sakristei eingerichtet. Erwähnenswert sind das noch erhaltene barocke Taufbecken aus Granit mit Messinghelm und einige Heiligenfiguren (Ägidius als Kirchenpatron, Mutter Anna, Ursula und Agatha). "Leider ist vieles von der alten Barock-Einrichtung der Pfarrkirche aus Unkenntnis des Wertes .....verloren gegangen"7). Selbst der Hochaltar ist nicht mehr vorhanden.

Drei Glocken riefen zum Gottesdienst: die größte, im Jahre 1800 neu gegossen, die mittlere vom Jahre 1740 und die dritte ebenfalls aus dem Jahre 1740.

 

Die Zeit von 1740 bis 1918

Außenansicht vor 1920
Außenansicht vor 1920

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts - die Kirche stand nun 200 Jahre - war eine umfassende Renovierung bzw. Vergrößerung unumgänglich geworden. Sie war "zu klein und in unwürdigem Zustande"9).

Unter Pfarrer Christian Klein (1891-1897) und Pfarrer Dr. Ludger Bellenberg - beide hatten an eine Vergrößerung der Kirche gedacht - kam die Angelegenheit nicht sonderlich voran. Pfarrer Johannes Klein machte den Kirchbau zu seiner Lebensaufgabe.

In einer Pfarrversammlung am 11.2.1912 fasste er die bisher gemachten Pläne und Vorstellungen zusammen (Kreuzbau, Anbau, vollständiger Neubau). Er selbst sprach sich für einen Neubau aus. In der Abstimmung fiel er mit seinem Plan durch. Bei der Visitation der Pfarrgemeinde am 10.6.1912 äußerte sich Kardinal Antonius Fischer, "es solle an der alten Pfarrkirche keine Reparatur stattfinden, sondern weiter für eine neue Pfarrkirche gesammelt werden"10).

Am 7.11.1918 starb Pfarrer Johannes Klein an einer akuten Lungenentzündung. Sein sehnlichster Wunsch ging nicht in Erfüllung.

Trotz der Schwierigkeiten, die er mit dem Kirchbau in der Gemeinde hatte, vermachte er für diesen Zweck testamentarisch aus seinem Vermögen ca. 50.000,- Mk. Für die damalige Zeit eine sehr hohe Summe.

Drei Glocken riefen zum Gottesdienst: die größte, im Jahre 1800 neu gegossen, die mittlere vom Jahre 1740 und die dritte ebenfalls aus dem Jahre 1740.

Die Zeit von 1918 bis 1921

Außenansicht von der Friedhofseite vor 1920
Außenansicht von der Friedhofseite vor 1920

Pfarrer Heinrich Dieregsweiler, der auf Pfarrer Klein folgte, betrieb nun den Kirchbau mit aller Energie. Er schreibt: "Jetzt ist die höchste Zeit und letzte Gelegenheit zum Kirchbau; jetzt oder nie"11). Er war überzeugt, dass ein Anbau von zwei Seitenschiffen an der Nord- und Südseite die beste Lösung sei. Die Vergrößerung des Innenraumes auf das Doppelte reiche "auf Jahrhunderte hinaus"; denn das Tauf- und Sterberegister zeige für die vorausgegangenen 20 Jahre eine durchschnittliche Zunahme der Pfarrgemeinde "von kaum 4 Köpfen pro Jahr". Das Kirchengrundstück sei für den Anbau groß genug, und die vorhandenen Geldmittel seien ausreichend. Am 1.3.1921 waren 123.744,86 Mk vorhanden bei einer geschätzten Bausumme von ca. 200.000,- Mk.

Pfarrer Dieregsweiler ließ nun vom Bonner Architekten Jakob Stumpf, der im Raum Rheinbach schon mehrere Kirchen gebaut hatte, einen Plan ausarbeiten. Diesen legte er am 29.12.1920 dem Kirchenvorstand vor und am 30.12.1920 der kirchlichen Gemeindevertretung. Beide Gremien stimmten dem Plan zu. Ein Mitglied des Kirchenvorstandes trat jedoch anschließend aus dem Kirchenvorstand aus, weil es die Verantwortung nicht mittragen könne. In der Neujahrspredigt 1921 stellte der Pfarrer den Bauplan als Neujahrsgeschenk der Pfarrgemeinde vor.

Das Generalvikariat in Köln erteilte die Baugenehmigung am 16.3.1921, und der Provinzialkonservator stimmte am 23.3. zu. Die Genehmigung des Kreisbauamtes in Rheinbach ließ auf sich warten. Aus der Gemeinde Oberdrees war nämlich Einspruch gegen den Bau erhoben worden. Nach längeren Verhandlungen wurde der Einspruch verworfen und am 7.5.1921 eine Ausnahmegenehmigung gegeben. Sie war erforderlich wegen des Abstandes des Anbaues zum Nachbargrundstück.

Im Mai 1921 begann der Bau. Das gesamte Baumaterial, Steine, Sand, Holz etc., kaufte Pfarrer Dieregsweiler persönlich an Ort und Stelle ein. Alle Hand- und Spanndienste leisteten Pfarrangehörige kostenlos.

Folgende Firmen waren am Kirchbau tätig:

Erd- und Maurerarbeiten, Fußboden, Elektroarbeiten: Bauunternehmer Theodor Haybach, Rheinbach
Dachdeckerarbeiten: Dachdeckermeister Jacob Himberg, Bonn
Schmiedearbeiten: Schmiedemeister Friedrich Meyer und P. Brenner, Oberdrees
Schreinerarbeiten: Kunstschreinerei Franz Müllenbruck, Rheinbach
Zimmerarbeiten: Zimmermeister Johann Merzbach, Oberdrees

Die Zeit von 1921 bis 1925

Innenansicht nach der Renovierung 1922
Innenansicht nach der Renovierung 1922

Der Fußbodenbelag stammte aus den Sinziger Mosaikwerken. Ein kleiner Rest dieser Bodenplatten ist am Eingang zur Sakristei noch zu sehen.

Damit das Gewölbe im neuen und alten Teil der Kirche einheitlich wurde, ersetzte man das hölzerne, mit Lehm beworfene Gewölbe des Langhauses durch ein neues massives Schwemmsteingewölbe. Damit erhielt die Kirche im Innern ein völlig neues Aussehen.

Eine Besonderheit in der Innengestaltung der Kirche war die Einrichtung einer Kriegergedächtniskapelle auf der Männerseite im rechten Seitenschiff am Josefsaltar. Sie wurde von den Oberdreeser Vereinen gestiftet. Auf einer Granittafel waren die Namen der gefallenen Oberdreeser Männer des 1. Weltkrieges festgehalten. Das Fenster in Altarnähe zeigte ein Christusbild (Ecce homo) und am unteren Rande zwei Darstellungen, einen vor einem Bildstock betenden Krieger und einen sterbenden Krieger, dem ein Engel die Siegespalme reicht12). Als 1926 auf dem Platz an der Südwestseite der Kirche ein Ehrenmal errichtet worden war - die kirchliche Weihe erhielt es am 11. Juli 1926 - entfernte man die Gedenkstätte in der Kirche. Die Gedenktafel wurde im Eingang zum rechten Seitenschiff der Kirche angebracht. Die beiden Kriegerdarstellungen wurden aus dem Fenster herausgenommen.

Die Innenausstattung der Kirche: Die Fenster, von Gerhard Jörres, Bonn, entworfen und ausgeführt, Altar mit Tabernakel von den Firmen Rooth, Bonn, und Müllenbruck, Rheinbach, gestaltet, Beichtstuhl und Kanzel, ebenfalls von Müllenbruck entworfen und gearbeitet, ferner Kinderbänke, Leuchter, Kronleuchter, Ewig-Licht-Lampe, all das wurde samt und sonders von Oberdreeser Bürgern geschenkt.

Schließlich wurde an der Nord-Ostseite der Kirche eine helle, geräumige Sakristei angebaut mit darüberliegendem Paramentenraum und darunterliegendem Heizungskeller.

Am 27.8.1922 wurde durch Weibischof Dr. Hermann Josef Straeter die Kirche eingeweiht und der Hochaltar konsekriert. Dieser Tag wurde für die Pfarrei zu einem besonderen und unvergesslichen Festtag. Mit Wagen und Reitern wurde der Bischof im Konvikt in Rheinbach (heute Vinzenz-Pallotti-Kolleg) abgeholt. Zwar stand ein Auto zur Verfügung, aber Pfarrer Dieregsweiler glaubte, es machten doch "ein schöner Landauer, von 6 Reitern in Gehrock und Cylinder eskortiert, einen ganz anderen Eindruck"13). Um 7.30 Uhr fand in der festlich geschmückten Kirche das Hochamt mit der Konsekration des Hochaltares statt. Mit einer Festversammlung am Abend des Tages im Saal Brauweiler, an der auch der Bischof teilnahm, schloss der Tag.

Noch rechtzeitig vor der völligen Geldentwertung 1923 konnte der Kirchbau vollendet werden. In der Kirchenvorstandssitzung am 11.6.1923 wurden Einnahmen und Ausgaben für den Kirchbau mit 515.042,18 Mk festgestellt. Das Protokoll hielt dazu fest: "Sämtliche Forderungen sind beglichen, das geliehene Kapital von 65.000 Mk zurückgezahlt, kein Pfennig Schulden lastet mehr auf dem Bau."

Pfarrer Heinrich Dieregsweiler wurde am 20.5.1925 zum Generalsekretär der Pax-Vereinigung Köln ernannt. Am 4.6.1925 verließ er Oberdrees. In seiner Abschiedsansprache wünschte er dem Kirchenvorstand und der gesamten Pfarrgemeinde Gottes reichen Segen, vor allem, "daß es Oberdreees bald gelingen möge, die neuen Kirchenbänke, neue Glocken und eine neue Orgel zu erhalten."14)

 
1. H. Ort: Die Bedeutung des Prümer Urbar von 893/1222 für Rheinbach, in "Kultur und Gewerbe",Stadt Rheinbach 11/1993, S. 19
2. P. Heusgen: Die Pfarreien der Dekanate Meckenheim und Rheinbach, Köln 1926, S. 302 f. 
3. P. Heusgen: a.a.O. S. 303
4. P. Heusgen: a.a.O. S. 303
5. E. Polaczek: Die Kunstdenkmäler des Kreises Rheinbach, Düsseldorf 1898, S. 126
6. E. Polaczek: a.a.O. S. 126
7. F. J. Habitz: in "Unsere Heimat", Beilage der Kirchenzeitung des Erzbistums Köln, 5.11.1961
8. E. Polaczek: a.a.O. S. 126
9. H. Dieregsweiler bei Heusgen: a.a.O. S. 303
10. J. Klein, Pfarrarchiv Oberdrees, 11. H., Dieregsweiler, Pfarrarchiv Oberdrees
11. H. Dieregsweiler: a.a.O.
12. H. Dieregsweiler: a.a.O.
13. H. Dieregsweiler: a.a.O.
14. H. Dieregsweiler: a.a.O.

Die Renovierung und Restaurierung der Kirche in den Jahren von1922 bis 1992

Außenansicht St. Ägidius Oberdrees 60er Jahre
Außenansicht St. Ägidius Oberdrees 60er Jahre

Zitiert nach der Festschrift zum Abschluss der Renovierungsarbeiten "Pfarrkirche St. Ägidius Oberdrees", 1995

"Wenn der Kölner Dom fertig ist, geht die Welt unter". Was für die Kölner Mutterkirche gilt, ist im kleineren Maßstab auch für unsere Dorfkirche gültig. Unter der ab Mitte 1925 beginnenden Ägide von Pfarrer Waldemar Freisleben muss das eine oder andere ergänzt, geändert oder verbessert werden. Doch angesichts der wirtschaftlich außerordentlich schwierigen Zeiten kann sich dies naturgemäß nur auf das Allernotwendigste beschränken. Während des zweiten Weltkrieges und auch in den ersten Jahren danach reichen die zur Verfügung stehenden Mittel nicht einmal aus, um die Substanz zu erhalten.

Aber bereits in der Niederschrift über die Sitzung des Kirchenvorstandes vom 10. Juni 1959 vermerkt Pfarrer Josef Kintzinger, der im Juni 1958 die Verwaltung der Pfarrei übernommen hat, im Protokollbuch: "Es wurde lebhaft über eine Restaurierung der Kirche gesprochen. Sämtliche wertvollen Holzfiguren müssen entwurmt und neu gefaßt werden." Laut Protokollnotiz vom 28. Januar 1960 gibt Pfarrer Kintzinger bekannt, dass der Kirchenmaler Walter Dorn aus Buir die Kirche besichtigt und ausgemessen habe. Der demnächst von ihm zu erwartende Kostenvoranschlag der Restaurierung würde sich voraussichtlich zwischen 12.000 DM und 15.000 DM bewegen. An dieser Summe sollen die Erzbischöfliche Behörde und der Landeskonservator beteiligt werden. Die von der Gemeinde aufzubringende Summe soll durch eine besondere Sammlung aufgebracht werden. Die Dringlichkeit der Restaurierung wird einstimmig anerkannt.

Bereits am 24. März 1960 beschließt der Kirchenvorstand, die Innenrestaurierung nach den Plänen und Kostenvoranschlägen des Kirchenmalers Walter Dorn in Höhe von 13.128,43 DM durchführen zu lassen. Der Kirchenvorstand erklärt sich im übrigen bereit, für die Eigenfinanzierung in Höhe von 4.000 bis 6.000 DM, abzüglich der Zuwendung des Landeskonservators, Sorge zu tragen.

Doch man hat die optimistische Rechnung wohl ein wenig ohne den Wirt, sprich das Erzbischöfliche Generalvikariat in Köln, gemacht. Schon im Juli berichtet Pfarrer Kintzinger laut Protokollnotiz über den Besuch eines Herren von der Bauabteilung dieser Kirchenbehörde. Der nach und nach erkennbare Umfang der notwendigen Sanierungsarbeiten führt schließlich dazu, dass man aufgrund einer dringenden Empfehlung aus Köln ein Architekturbüro aus Bonn zu Rate zieht.

Die Spekulationen in der Gemeinde über die Kosten und den Umfang der notwendigsten Sanierung müssen wohl sehr ins Kraut geschossen sein; denn im August 1961 sieht sich der Pfarrer genötigt, einen Artikel in der Kölnischen Rundschau größtenteils als Phantasie und Unsinn darzustellen. Allerdings belaufen sich nach der Schätzung des Architekten die Kosten nur für die äußeren Arbeiten an der Kirche auf mehr als 100.000 DM. Die Genehmigung aus Köln lässt wohl immer noch auf sich warten; denn der Pfarrer wird vom Kirchenvorstand beauftragt, auf die Dringlichkeit der Restaurierung hinzuweisen und "um baldigen Beginn des ersten Bauabschnittes zu bitten". Im Dezember 1961 wird dann im Protokollbuch vermerkt: "Die Erzbischöfliche Behörde hat für den l. Bauabschnitt (Außenarbeiten) die Summe von DM 120.000 bewilligt". Im Juni 1962 kann dann endlich ein erster Auftrag, nämlich über die Dachdecker- und Bauklempnerarbeiten, erteilt werden. Im Juli folgen schließlich die Aufträge für die Zimmer-, Putz- und Tiefbaugewerke.

In der gleichen Sitzung des Kirchenvorstandes wird eine Information des damaligen Bürgermeisters Peter Eschweiler zum Anlass genommen, eine eventuelle Erweiterung der Kirche ins Auge zu fassen. Der Bürgermeister hat darüber informiert, dass im Rahmen der Großraumplanung für Bonn auch Oberdrees mit einbezogen würde. Eine Ausdehnung der Gemeinde um 200 Wohneinheiten sei geplant.

Ein knappes Jahr später berichten die Niederschriftenbücher über das einhellige Bedauern des Kirchenvorstandes darüber, dass ihm jede Einflussnahme bei den Arbeiten an der Kirche genommen sei. Noch nicht ein einziges Mal habe sich die Möglichkeit ergeben, mit dem leitenden Architekten zu sprechen.

Im Juli 1963 berichten die Niederschriften schließlich über den Ausbau der Elektroanlage und der Heizung. Außerdem ist offenbar ausgiebig über das an der Kirche stehende Gerüst und den Kirchturmhahn diskutiert worden; denn Pfarrer Kintzinger hält ausdrücklich fest, dass diese Themen den Abschluß der KV-Sitzung bilden.

Die Unzufriedenheit mit dem Architekten scheint gegen Ende des Jahres 1963 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht zu haben. Pfarrer Kintzinger verliest ein längeres Schreiben, welches er mit Durchschrift für das Generalvikariat an den Architekten gerichtet hat. Darin kommen die tiefen Sorgen und Nöte des Pfarrers, des Kirchenvorstandes und der gesamten Pfarrgemeinde zum Ausdruck, dass die Restaurierungsarbeiten offenbar nicht vorangehen. Der Brief soll von der Kanzel verlesen werden. Im August 1964 ist offenbar ein weiterer Brief fällig, der die Verschleppung notwendiger Arbeiten und Entscheidungen bemängelt. Offenbar wird damals auch intensiv darüber diskutiert, ob die Kirche erweitert werden solle. Im November 1964 steht dann aber fest, dass aus Kölner Sicht eine Erweiterung nicht in Frage kommt.

Im Februar 1964 hält das Protokollbuch die Anschaffung eines elektrischen Läutewerkes fest. Rund 3/4 der Kosten werden durch eine Stiftung der Zivilgemeinde Oberdrees aufgebracht.

Im Oktober 1965, nachdem Pfarrer Matthias Distelrath die Verantwortung für die Oberdreeser Kirche übernommen hat, werden die weiteren Bauabschnitte zur Kirchenrenovierung besprochen. Die Einrichtung einer Notkirche wird diskutiert. In den weiteren Protokollen werden verschiedene Lösungsmöglichkeiten für eine Notkirche durchgesprochen, die dann letztendlich Anfang 1968 auf dem Anwesen Esch/Windmüller entsteht.

Das Klima der Zusammenarbeit mit dem beauftragten Architekten verschlechtert sich in der Folgezeit dramatisch, wie einige Notizen und Randbemerkungen von Pfarrer Distelrath bezeugen.

Der Hochaltar nach dem Umbau 1970
Der Hochaltar nach dem Umbau 1970

Im Mai 1969 wird dann folgendes festgehalten: "Der KV ist einstimmig für Entfernung der Holzbekleidung an den Altarstufen. Evtl. um 1 Stufe niedriger; verbleibende Stufen verbreitern. Auf jeden Fall muss Altar an bisheriger Stelle verbleiben; die Kommunionbank muss auf jeden Fall, nicht zuletzt aus Pietätsgründen wieder errichtet werden. Hinweis in dieser Beziehung: Auch Kanzel bleibt! Tabernakel kommt an alte Stelle: Mitte Hochaltar! ... Die Kirche soll einheitlich - nach Entfernung der Holzpodeste - durchgeplattet werden ".

Im März 1970 wird dann über die Anschaffung neuer Kirchenbänke beraten und offenbar auch beschlossen. Da das dafür aufgelegte Spendenkonto nicht genügend Deckung aufweist, beschließt der Kirchenvorstand später, ein entsprechendes Darlehen aufzunehmen und die alten Bänke zu veräußern. Eine wichtige Aussage ist im Protokoll vom 29. Februar 1972 festgehalten: "Die Bauabrechnungen Notkirche und Instandsetzung Kirche wurden in Einnahmen und Ausgaben geprüft. Die Einnahmen und Ausgaben betrugen je DM 429.424,41".

Bereits im März 1975 werden wieder Überlegungen über die Beseitigung von Mängeln am Kirchengebäude angestellt. Der Kirchenvorstand spricht sich für einen äußeren Neuanstrich der gesamten Kirche aus.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1976 übernimmt Pfarrer Wolfgang Donath die Pfarrgemeinde. In den folgenden Sitzungen des Kirchenvorstandes wird über die Neugestaltung des Chorraumes und die Anschaffung einer Lautsprecheranlage gesprochen. Im Juni 1979 beschließt man, die Holzfiguren in der Kirche imprägnieren zu lassen. Außerdem wird eine Diebstahlsicherung in Erwägung gezogen. Im April 1980 muss man dann zur Kenntnis nehmen, dass die Genehmigung für die Instandsetzungsarbeiten an der Kirche in erster Linie keinen Verschönerungseffekt, sondern lediglich eine Substanzerhaltung erreichen will. Man unterstreicht die Oberdreeser Auffassung, dass eine vertretbare Lösung bei der Renovierung der Kirchenfassade nur in einer Verkleidung des feuchten Sockels mit Naturstein, der von Innen durchlüftet wird, gesehen wird. Als Alternative komme lediglich eine Verputzung des Sockels mit Trasszement in Frage.

vor der Renovierung mit Blick auf die Orgelempore 1991
vor der Renovierung mit Blick auf die Orgelempore 1991

Im September 1981 wird eine neue Heizungsanlage in Auftrag gegeben. Bezüglich der dringend notwendigen Renovierungsarbeiten an der Kirche erklärt man sich mit den Vorschlägen des Generalvikariats einverstanden, obwohl der Kirchenvorstand die ursprünglich angestrebte Lösung (?) auf Dauer für die optimale hält. Es findet im folgenden keine Sitzung des Kirchenvorstandes statt, bei der nicht der eine oder andere Aspekt der Sanierung zur Debatte steht, ohne dass jedoch konkrete Fortschritte zu verzeichnen sind. Im Oktober 1983 wird endlich ein Baubeginn registriert, der Architekt gibt einen Sachstandsbericht über das bisher Getane. Die bisherige Farbe des Außenanstriches der Kirche (ein Rotton) scheint nicht die ungeteilte Zustimmung der Oberdreeser gefunden zu haben; denn zum Ende des Jahres entschließt man sich, den Anstrich in Weiß vornehmen zu lassen. Man vermerkt ausdrücklich: "... unter Berücksichtigung des Willens der Pfarrgemeinde". Schließlich soll das an der Seitenwand der Pfarrkirche befindliche Wegekreuz ein Schutzdach erhalten; das Kreuz war kurze Zeit zuvor mit Mitteln der Stadt Rheinbach instandgesetzt worden.

vor der Renovierung mit Blick auf den Altar 1991
vor der Renovierung mit Blick auf den Altar 1991

Im Oktober 1984 übernimmt Pfarrer Johannes Daßler für ein gutes Jahr die Seelsorge an St. Ägidius in Oberdrees. Die im Protokollbuch festgehaltene Gebäudebegehung hält fest: "Da die Kirche erst vor kurzem von außen gestrichen wurde, gibt es keine eigentlichen Schäden. Die restlichen Arbeiten stehen freilich noch aus. ... " Ein ganzes Jahr später scheinen diese immer noch nicht erledigt zu sein. Dem Protokollbuch ist die Durchschrift eines geharnischten Schreibens an das Architekturbüro beigeheftet, welches unter Fristsetzung verbindliche Auskunft verlangt. Derweil wird schon wieder über einen neuen Innenanstrich der Kirche nachgedacht. Man ist der Meinung, dass dieser weitgehend in Eigenleistung durchgeführt werden könne.

Schon in seiner ersten Sitzung, an der "Pfarrverweser" Pater Herbert Nentwig teilnimmt (16. April 1986), berät der Kirchenvorstand über die dringend notwendige Innenrenovierung der Kirche - ohne Beschlussfassung. Im Oktober 1986 beschließt der schließlich, die Vorplanungsgenehmigung zu beantragen. Mit der Bauleitung soll Architekt Georg Spevacek aus Rheinbach beauftragt werden.

Restaurierung und Chorraumgestaltung der Kath. Pfarrkirche St. Ägidius in Oberdrees von 1992 bis 1993

von Architekt Georg Spevacek
zitiert nach der Festschrift zum Abschluss der Renovierungsarbeiten "Pfarrkirche St. Ägidius Oberdrees", 1995

Im Mai 1989 wurde ich beauftragt, die Kirche zu restaurieren und den Chorraum neu zu gestalten. Die vordringliche Aufgabe war zunächst die Erstellung des Aufmaßes, das bedeutet, das örtliche Messen sämtlicher Kanten, Vorsprünge, Längen, Breiten und Höhen der Wände, Gewölbedecken, Fenster, Türen und sonstiger Bauglieder.

Danach konnte geplant und somit auch die Kosten ermittelt und geschätzt werden, deren Höhe zunächst alle Beteiligten erschreckte, aber auch das Ausmaß der dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen zeigte.

Die Planung war bald akzeptiert; doch die Finanzierung bereitete verständlicherweise Kopfzerbrechen. Die Kirchengemeinde von Oberdrees war der Auffassung: "Wenn wir etwas machen, dann ordentlich und dauerhaft und wie können wir das finanzieren." So ist es nur verständlich, dass der Architekt erst drei Jahre nach seiner Beauftragung mit den Ausschreibungen aller Bauleistungen beginnen konnte; bald darauf wurden die Aufträge an die einzelnen Firmen vergeben. Im September 1992 rückten die ersten Handwerker an. 

Sanierung der Friedhofsmauer 1992
Sanierung der Friedhofsmauer 1992

Die Sanierung der alten Friedhofsmauer aus dem 14. Jahrhundert war von Anfang an in die Restaurierungsmaßnahme mit einbezogen. Hier wurde - parallel zu den Trockenlegungsarbeiten - zuerst begonnen.

Der Umgestaltung des Chorraumes mit neuem Altar, Ambo, Tabernakel und Vergrößerung der Chorraumfläche mit nunmehr nur noch zwei Stufen sowie den Ausmalungen der Decken und Wände mussten jedoch umfangreiche und dringend notwendige substanzerhaltende Sanierungsarbeiten vorausgehen.

Das gesamte Umfassungsmauerwerk wurde außen und innen freigelegt, gereinigt, beigemauert, verputzt und mit zwei Isolieranstrichen versehen, eine Ringdrainage in Kiesbett verlegt, Regenwasser-Kanalrohre erneuert. 

Die Zeiten der "Notkirche" in den Jahren 1992 bis 1993

Unsere Notkirche 1992 und 1993
Unsere Notkirche 1992 und 1993

Zitiert nach der Festschrift zum Abschluss der Renovierungsarbeiten "Pfarrkirche St. Ägidius Oberdrees", 1995

Bevor die Innenrenovierung unserer Kirche begonnen wurde, stellte sich die Frage: Wo feiern wir während der Bauzeit unsere Gottesdienste? Schnell zeigte sich eine Lösung an, mit der niemand rechnen konnte. Die Familie Castenholz stellte ein ehemaliges Stallgebäude - nur wenige Meter von der Kirche entfernt in der Oberdreeser Str. 35 - zur Verfügung.

Mit viel Optimismus und noch mehr Eigenleistung machte man sich daran, diesen Raum für seinen zukünftigen Bestimmungszweck würdig herzurichten. Fußboden, Wände, Licht- und Wasserleitungen wurden repariert und installiert.

In dem ca. 230 qm großen Raum fanden schließlich alle Kirchenbänke ihren Platz. An den frisch gestrichenen Wänden wurde der Kreuzweg angebracht; fast alle Heiligen-Figuren aus unserer Kirche fanden an Wänden und Säulen den Platz, an dem sie bis zur Fertigstellung der Pfarrkirche bleiben sollten.

Ein Altarraum wurde gestaltet - in der Art, wie er in der renovierten Kirche einmal aussehen sollte. Ein Harmonium ersetzte die Orgel, ein Platz für den Kirchenchor wurde geschaffen und eine Heizung sorgte dafür, dass auch die Wintermonate gut zu überstehen waren.

Unsere Notkirche geschmueckt zurEr stkommunionfeier 1992
Unsere Notkirche geschmueckt zurEr stkommunionfeier 1992

Ein Höhepunkt der "Notkirchen-Zeit" war die Firmung, die in diesem würdig gestalteten Raum stattfand. Weihbischof Norbert Trelle zeigte den Bezug vom Stall, der zur Kirche umgestaltet wurde, zum Stall in Bethlehem und betonte, wie wohl man sich in diesem liebevoll geschmückten Raum fühlen konnte.

Nach etwas mehr als einem Jahr konnte dann der Umzug in die renovierte Pfarrkirche erfolgen. Die Nutzungsgebühr für diesen Zeitraum, die vom Erzbistum vorgesehen und auch zur Verfügung gestellt worden ist, wurde von der Familie Castenholz übrigens nicht in Anspruch genommen. Dieser Betrag wurde der Kirchengemeinde als Spende für die Renovierung unserer Pfarrkirche zugeführt.

Die Pfarrer der Kirchengemeinde St. Ägidius in Oberdrees seit 1897

Liste der Pfarrer der Kirchengemeinde St. Ägidius :

1897 bis 1908            Ludger Bellenberg

1908 bis 1918            Johannes Klein

1918 bis 1925            Heinrich Theodor Dieregsweiler

1925 bis 1958            Waldemar Adolf Freisleben

1958 bis 1965            Josef Kintzinger

1965 bis 1976            Matthias Theodor Distelrath

1976 bis 1984            Wolfgang Donath

1984 bis 1986            Johannes Daßler

1986 bis 1997            Pater Herbert Nentwig SAC

1997 bis 2002            Pater Leo Wiszniewsky SAC

2002 bis 2003            Pater Werner Dohn SAC

2003 bis 2009            Pater NikolausGröters SAC

Seit 2009 ist die Pfarrei St. Ägidius in Oberdrees mit der Pfarrei St. Martin in Rheinbach fusioniert. Hiermit hat die Pfarrei Oberdrees aufgehört zu existieren und ist nun eine Filialkirche und ein Kirchort der Pfarrei Rheinbach.